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Ende der DDR
"Keine Gewalt!"
Verbreitung und Wirkung einer Kultur der gewaltfreien Aktion und des Zivilen Ungehorsams im Jahr 1989
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Es hätte auch alles ganz anders kommen können. Am 3. und 4. Juni 1989 schoss das chinesische Militär mit Panzern und Gewehren auf zigtausende StudentInnen und andere BesetzerInnen des Pekinger Tienanmen-Platzes, die es gewagt hatten, wochenlang für Freiheit und eine Demokratisierung Chinas zu demonstrieren. Hunderte wurden auf dem "Platz des himmlischen Friedens" und in den Straßen Pekings durch das Militär der "sozialistischen" Parteidiktatur getötet. Wie ein Damoklesschwert hing die Möglichkeit eines Blutbads auch über den Ereignissen in der DDR vor 20 Jahren. Dass es nicht dazu gekommen ist, hat viele Gründe, hing aber ursächlich mit der Existenz und der Wirksamkeit einer Kultur der gewaltfreien Aktion und des Zivilen Ungehorsams in den letzten Jahren der DDR zusammen.
(Red.Graswurzelrevolution)

In den letzten Jahren der DDR, von 1986 bis 1989, war der bereits latent vorhandene Widerstand von unabhängigen Friedens-, Umwelt- und Basisgruppen in der DDR immer öfter manifest geworden. Es war wohl eher das langjährige Wissen, als kleine Minderheit zu handeln, und nicht immer bewusste Überzeugung, die diesen DDR-Widerstand als gewaltfrei kennzeichneten. (1) Doch hatten sich Verbreitung und Kenntnis einer Kultur der gewaltfreien Aktion und des Zivilen Ungehorsams in den letzten drei Jahren weit über diese Minderheit hinaus verbreitet.

Übernahme der Taktik der schwarzen US-Bürgerrechtsbewegung

Die "Friedlichkeit" der Revolte von 1989 war keine deutsche Besonderheit (das wäre ein nationalistischer Mythos, für den weder die deutsche Geschichte insgesamt noch etwa der militante Arbeiteraufstand des 17. Juni 1953 und dessen Repression durch Panzer in der frühen DDR Gründe liefern).

Sie war auch kein Ausdruck des humanistischen Potentials marxistisch-leninistischer Regime (siehe Gegenbeispiele gewaltsamer Abläufe in Rumänien und China). Sicher gibt es viele Gründe und Entwicklungen, die zusammentrafen - dabei spielten auch blockgrenzenübergreifende Strukturen der Solidarität gewaltfreier Basisgruppen und -bewegungen eine Rolle. So hatte es für die Ost-Berliner Umweltbibliothek eine Westberliner Solidaritätsgruppe (u.a. mit dem Graswurzelrevolutionär Andreas Hauschild) gegeben. (2) Hier soll jedoch ein anderes Beispiel dem Vergessen entrissen werden.

Die Basisgruppe "Friedensseminar Königswalde" war eine Hochburg der DDR-Friedensgruppen in den 1980er Jahren gewesen. Auf ihre Gründungsmitglieder ging bereits das Symbol der DDR-Friedensbewegung, der Aufkleber "Schwerter zu Pflugscharen", zurück.

Georg Meusel (3) hatte bereits in den frühen 1980er Jahren DIN-A-1-Ausstellungstafeln zu den Themen Martin Luther King, DDR-Friedensbewegung und Bausoldaten/Kriegsdienstverweigerung gemacht. Er war ein leidenschaftlicher Briefmarkensammler und erreichte durch persönliche Kontakte mit dem DDR-Kulturring, dass seine Exponate bei großen Briefmarkenbörsen aufgestellt werden konnten.

Dadurch wurde ein großer Teil der DDR-Bevölkerung mit diesen Themen bekannt. Meusel verkaufte große Teile seiner wertvollen Briefmarkensammlung, um mit dem Erlös und mit Hilfe internationaler Netzwerke der gewaltfreien Bewegung direkt in den USA den von Sidney Lumet, Ely Landau und Joseph L. Mankiewicz gedrehten Dokumentarfilm "King: a Filmed Record... Montgomery to Memphis", erstveröffentlicht 1970, zu kaufen, der in 185 Minuten Laufzeit die gewaltfreien Aktionen der US-Bürgerrechtsbewegung in den frühen 1960er Jahren dokumentiert.

Von diesem Film gab es seit 1978 eine um 40 Minuten gekürzte TV-Fassung, die dann synchronisiert und als "Dann war mein Leben nicht umsonst - Martin Luther King" in deutscher Fassung verfügbar war. Neben den direkt bei den Produzenten in den USA gekauften Filmrollen sammelten auch westdeutsche Friedensgruppen Geld, um weitere Filmexemplare zu erstehen (eine Kopie der deutschen Fassung kostete damals 3.000 DM, die durch Spenden erbracht wurden).

Ulli und Sonnhild Thiel von der DFG-VK - seit Jahren in direktem Kontakt mit dem Friedensseminar Königswalde - gelang es z.B., über Kontakte des damaligen Rechteinhabers ("Wagner-Filmgesellschaft") die Filmrollen eines Exemplars dieses Dokumentarfilms in die DDR zu schmuggeln.

Laut Georg Meusel waren so von 1987 bis 1989 drei Kopien des Films in der DDR unterwegs (eine für den Süden, eine für die Mitte und eine für den Norden der DDR) und wurden in Räumen der evangelischen Kirche jeweils mindestens 100-mal gezeigt, wobei ZuschauerInnenzahlen von über 100 die Regel waren.

So gelangten Kenntnisse über die gewaltfreien Massenaktionen der US-Bürgerrechtsbewegung direkt an große Teile der DDR-Bevölkerung. Im Mittelpunkt des Films stand die Aktionstaktik der afro-amerikanischen studentischen AktivistInnen um King, sich vor gefährlichen Demonstrationen in Kirchen der Schwarzen zu versammeln, um sowohl die eigene Angst als auch die eigene Wut unter Kontrolle zu bekommen und dann entschlossen, aber gewaltlos aus den Kirchen heraus die Demonstrationen zu beginnen und so den gewaltfreien Charakter der Aktion zu gewährleisten. Es entstand eine breite Kultur der Gewaltlosigkeit, der gewaltfreien Aktion und des Zivilen Ungehorsams in der DDR. (4)

Die Menschen in der DDR waren - im Gegensatz zur Mehrheit der schwarzen Bevölkerung in den US-Südstaaten der frühen 1960er Jahre (z.B. Black-Gospel-Movement; schwarzes Christentum) - größtenteils nicht gläubig. Doch sie nutzten die Freiräume und die Nischen, die ihnen das Dach der evangelischen Kirche bot. Diese Taktik, wie sie der Film vermittelte, setzte sich zuerst bei minoritären Basisaktionen, dann bei den Massenaktionen 1989 als Aktionsmodell durch. Erstmals gingen Protestierende im Mai und Juni 1989 "in einer breiteren Kampagne aus den Kirchen heraus auf die Straßen" (5), um gegen die Fälschung der Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 zu protestieren. Dafür brauchte es Mut, denn zur selben Zeit hatte das chinesische Militär in Tienanmen zugeschlagen - die "chinesische Lösung" war eine reale Drohung; die offizielle chinesische Propagandaversion wurde zudem täglich abends im DDR-Fernsehen wiederholt.

Auf die Probe gestellt wurde das Konzept im Oktober 1989. Zwar hatten die Leipziger Montagsdemonstrationen des Herbstes schon am 4. September begonnen, aber es waren noch keine Massendemonstrationen, sondern Demos von Hunderten Mutiger.

Das änderte sich, als die Dummheit der DDR-Regierenden keine Grenzen mehr kannte und die Züge aus der von DDR-Ausreisewilligen besetzten westdeutschen Botschaft in Prag, die nach Verhandlungen mit der BRD schließlich aus der DDR ausreisen durften, direkt über das Territorium der DDR in die BRD leitete. Als vier Züge aus Prag mit den Ausreisenden am 4. Oktober 1989 den Dresdener Hauptbahnhof erreichten, kam es zu einer gewaltsamen Schlacht von ca. 5.000 BürgerInnen mit der Polizei, die die Züge stoppen und "aufspringen" wollten. BürgerInnen bewarfen die Polizei mit Pflastersteinen, ein Polizeiauto ging in Flammen auf, die Polizei warf die Pflastersteine zurück, räumte mit Wasserwerfer, Tränengas und Knüppeln den Bahnhof und nahm bis zum 8. Oktober 1.300 Menschen fest. Dass es hier zu keinen Toten kam, wird von Beteiligten als "Wunder" beschrieben.


Die Leipziger Montagsdemo vom 9. Oktober 1989 und das Plauener Modell

Die Prager Züge des 4. Oktober waren später auch durch das südsächsische Plauen, in der Nähe von Königswalde und Werdau, geleitet worden. Am 5. Oktober abends fanden in der Plauener Markuskirche zwei Friedensandachten statt, in denen für den 7. Oktober zu einer gewaltfreien Demonstration aufgerufen wurde. Auf den Plauener Superintendent Thomas Küttler geht die Idee zurück, dass es ein Vermittlungskomitee von Bürgerbewegten und Pastoren gab, das während der Demo zwischen Polizei, Rathaus/Bürgermeister und mit MGs bewaffneten Betriebskampfgruppen vermittelte und für den gewaltfreien Charakter garantierte, so dass es trotz einer brutalen Polizei-Räumung mittels Schlagstöcken am Eingang zum Rathaus auf Seiten der DemonstrantInnen gewaltfrei blieb. Es war mit bis zu 20.000 TeilnehmerInnen die erste Massendemonstration der DDR-Opposition, an die heute auf dem Plauener Theaterplatz eine Gedenktafel erinnert. Das Plauener Erfolgsmodell für eine gewaltfreie Demo wurde dann wenige Tage später bei der entscheidenden Leipziger Montagsdemo am 9. Oktober (ca. 70.000 TeilnehmerInnen) übernommen - u.a. dadurch, dass die PlauenerInnen direkt nach Leipzig fuhren und von ihren Erfahrungen berichteten.

Besonders die Vermittlungskomitees leisteten bei dieser ersten Leipziger Massendemo viel Arbeit und waren für den gewaltfreien Charakter der Demo entscheidend mitverantwortlich. Der Spruch "Keine Gewalt!" wurde dabei mindestens so oft skandiert wie "Wir sind das Volk".

Wir können uns heute die Spannung dieses Abends kaum vorstellen. Noch am 6. Oktober war in der regimetreuen Leipziger Volkszeitung ein von der SED lancierter Brief des Kommandeurs der örtlichen Betriebskampfgruppen veröffentlicht worden, worin es hieß, dass man "diese konterrevolutionären Aktionen endgültig und wirksam unterbinden" wolle. "Wenn es sein muss, mit der Waffe in der Hand." (6)

Am 9. Oktober wurde bekannt, dass Leipziger ÄrztInnen von chirurgischen und Intensivstationen angewiesen worden sind, sich in Bereitschaft zu halten. Blutkonserven und Sonderbetten wurden herangeschafft. Das riesige "agra"-Landwirtschafts-Ausstellungsgelände am Stadtrand Leipzigs wurde von der Staatssicherheit für Festgenommene vorbereitet. (7)

Stunden vor Demobeginn wurden alle vier evangelischen Stadtkirchen Leipzigs zu Teilen von der SED gefüllt. Allein in der Nikolai-Kirche saßen 700 SED-Mitglieder in den vorderen Reihen. Doch niemand ließ sich abschrecken. In allen vier Kirchen wurde ein Aufruf zur Gewaltlosigkeit verlesen, der von sechs bekannten Persönlichkeiten Leipzigs unterzeichnet war, die sich privat seit einiger Zeit getroffen hatten: Vom Gewandhauskappellmeister Kurt Masur, vom evangelischen Theologen Peter Zimmermann, vom Kabarettisten Bernd-Lutz Lange und von - das ist bedeutend - drei Sekretären der SED-Bezirksleitung: Kurt Meyer, Jochen Pommert und Roland Wötzel: "Wir alle brauchen einen freien Meinungsaustausch über die Weiterführung des Sozialismus in unserem Land. Deshalb versprechen die Genannten heute allen Bürgern, ihre ganze Kraft und Autorität dafür einzusetzen, dass dieser Dialog nicht nur im Bezirk Leipzig, sondern auch mit unserer Regierung geführt wird."

Der Aufruf wurde auch über den Radiosender Leipzig und über Lautsprecher des Stadtfunks im Zentrum verlesen. Die drei beteiligten SED-Bezirkssekretäre hauen ihr Vorgehen nicht mit der Parteiführung abgestimmt. "Auch nach dem Appell bleibt die Situation bedrohlich. Viele Menschen haben den Aufruf nicht gehört. Andere stellen sich taub." Es gab einen entscheidenden Punkt der Demo, am Dittrichring: "Hier stoßen Bezirkspolizeibehörde und der Stasi-Trakt aneinander. Polizeiketten riegelten diese verhasste ’Runde Ecke’ auf der Mitte des Bürgersteigs ab (...). Die Spitze des Demonstrationszuges ist vorüber. Das gellende Pfeifkonzert ebbt aber nicht ab, wird stärker. Viele aus dem Zug bleiben stehen, rücken näher auf die Polizisten zu. Verharren, 25 Minuten lang. ’Zum ersten Mal war ich vor Angst wie gelähmt’, gesteht der Theologe (Zimmermann; d.A.). Besonnene halten ein paar Hitzköpfe zurück. ’Keine Gewalt!!!’ 19.10 Uhr: Plötzlich, als die Demonstranten noch einen Schritt vor gehen, die Lage zu eskalieren droht, knarrt eine Stimme im Sprechfunkgerät (der Polizei; d.A.). Zimmermann wird das Geräusch Tausender abziehender Stiefel und Schuhe sein Leben lang nicht vergessen. ’Keine Gewalt! Keine Gewalt!!!’ schreien besonnene Demonstranten. ’Weiterlaufen!’ Die Staatsmacht weicht zurück, die konsequent friedlichen Demonstranten bleiben vor der chinesischen Lösung bewahrt. Erstmals können sie ungehindert über den gesamten Altstadtring ziehen." (8)

Damit war das Demonstrationsrecht DDR-weit durchgesetzt und - was die DemonstrantInnen noch nicht wussten - das SED-Regime faktisch am Ende. Später hat SED-Generalsekretär Egon Krenz behauptet, er habe von Berlin aus den Befehl zum Rückzug gegeben. Dafür gibt es keine Beweise, stattdessen aber Gegenaussagen, die nahe legen, dass die Entscheidung auf Leipziger Ebene gefallen war. Der Vorsitzende der SED-Bezirkseinsatzleitung, Helmut Hackenberg, hatte in Absprache mit dem Leipziger Polizeipräsidenten (zuständig auch ihr die Betriebskampfgruppen), Generalmajor Straßenberg, bereits den Befehl, die Demonstration ganz zu unterbinden, nicht ausgeführt. Beide trafen auch die Entscheidung zum Rückzug der Polizeikräfte.

Heute weiß mensch, dass die Polizei an diesem Tag lediglich den Befehl zur Eigensicherung im Falle gewaltsamer Angriffe erhalten hatte. Dass Gewalt befürwortende DemonstrantInnen am Dittrichring von "Keine Gewalt" rufenden DemonstrantInnen vom Angriff abgehalten wurden, war also entscheidend für die Verhinderung eines Blutbads. Inwieweit weitere Befehlshaber, Generalleutnant Hummitsch von der Stasi und Generalmajor Wiegant von der Nationalen Volksarmee, in die Entscheidungen von Hackenberg und Straßenberg einbezogen worden waren, ist bis heute unklar. (9)

Die Durchsetzung des Demonstrationsrechts am 9. Oktober 1989 in Leipzig war der Beginn einer Reihe direkter gewaltfreier Aktionen in diesem "wunderbaren Jahr der Anarchie" (so ein Buchtitel). So wurden von Dezember 1989 an z.B. die Bezirkszentralen der Stasi durch Bürgerkomitees in vielen DDR-Städten besetzt oder in Kooperation mit Stadtverwaltung und Polizei kontrolliert und durch direkte Aktionen immer wieder der Abtransport oder die Zerstörung von Akten verhindert. Schließlich führte eine letzte Besetzung der Archivräume des Berliner Ministeriums für Staatssicherheit im September 1990, durchgeführt vom Neuen Forum, vom Weißenseer Friedenskreis und der Ost-Berliner Umweltbibliothek, dazu, dass die Stasi-Akten nicht 30 Jahre in der BRD weggeschlossen wurden und nur den Geheimdiensten des Westens zugänglich waren, sondern in der dann eingerichteten "Gauck-Behörde" allgemein öffentlich eingesehen werden konnten. (10)

Gewaltfreie Revolution - Form und Inhalt

Die Kultur der gewaltfreien Aktion und des Zivilen Ungehorsams war 1989 verbreitet. Doch das betraf die Form, die Frage der Kampfmittel. Keineswegs gab es eine Kultur der Diskussion oder gar Einigung über Inhalte einer anderen Gesellschaftsform, eines alternativen, freiheitlichen Sozialismus, einer anderen DDR, die damals noch möglich schien. Wolfgang Rüddenklau von der Ost-Berliner Umweltbibliothek beschreibt im Rückblick lediglich eine einzige Diskussion, die 1989 in den Umweltblättern über gesellschaftliche Alternativen geführt wurde und vom Vorschlag einer Schaffung Kropotkinscher Industriedörfer sowie einer Kritik daran geprägt war. (11)

Ansonsten gab es keine inhaltliche Entsprechung zur Verbreitung einer formalen Kultur der gewaltlosen Aktionstaktik. "In diesem, aber fast nur in diesem Sinne war die sogenannte ’friedliche Revolution’ ein Ergebnis der Arbeit der Basisgruppen. Hätte man sie aber im Jahre 1989 gefragt, so wäre niemand von uns auf die Idee gekommen, eine Revolution für die nächste Zeit zu erwarten oder zu fordern. Es gab nicht einmal ein richtiges Konzept dafür, was nach einer irgendwie gearteten Veränderung in der DDR hätte geschehen können. (...) Erst recht machten sich Umweltgruppen, Friedensgruppen, Kriegsdienstverweigerergruppen und 3. Welt-Gruppen keine Gedanken über eine DDR jenseits der SED - das war wahrscheinlich nicht einmal ihre Aufgabe." (12)

Schließlich kritisiert Rüddenklau den Umschlag des Verhältnisses von Basisgruppen und BürgerInnenbewegungen im Jahr 1989. So hatte die Berliner Umweltbibliothek aufgrund ihrer bis zum Herbst 1989 einzig verfügbaren unabhängigen Druckmöglichkeit in Form einer Wachsmatrizenmaschine alle Plattformen der neugegründeten Organisationen "Neues Forum", "Böhlener Plattform/Vereinigte Linke", "SDP/Sozialdemokratische Partei", "Demokratischer Aufbruch", "Demokratie Jetzt" gedruckt und für sie auch permanent nachgedruckt: "Diese Solidaritätsakte von Seiten der Basisgruppen wurden von den neugebackenen Führern der Demokratiebewegung als Selbstverständlichkeit betrachtet. Mit einer Erwiderung dieser Solidarität (...) sah es schlecht aus. (...) Sie waren schließlich Führer einer DDR-Bewegung und standen mit den Hochburgen der Bewegung und der Weltpresse in Verbindung, während wir nur kleine Bastler vor Ort waren. Als die Basisgruppen dann ab November (1989; d.A.) nicht mehr benötigt wurden, ließen die Führer der Bürgerbewegungen sie fallen und vergaßen sie." (13)

Von Sal Macis

Anmerkungen:

(1): Vgl. Wolfgang Rüddenklau: Störenfried. DDR-Opposition 1986-1989. Basisdruck/Edition ID-Archiv, Amsterdam/Berlin 1992.

(2): Vgl. Rüddenklau, S. 187 f.

(3): Er ist heute noch aktiv im Martin-Luther-King-Zentrum Werdau / Archiv der Bürgerbewegung Südwestsachsens, Am Torbogen 5, 08412 Werdau.

(4): Alle Informationen zu Kauf und Schmuggel des Films stammen aus Gesprächen des Autors mit Georg Meusel und Ulli Thiel, vor allem anlässlich einer Rundreise zusammen mit Clayborne Carson, u.a. nach Werdau und Karlsruhe im Herbst 2004. Zur Taktik der frühen US-Bürgerrechtsbewegung vgl. auch Clayborne Carson: Zeiten des Kampfes. Das Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) und das Erwachen des afro-amerikanischen Widerstands in den sechziger Jahren, Verlag Graswurzelrevolution, Nettersheim 2004.

(5): Vgl. Rüddenklau, S. 288.

(6) Vgl. Christoph Links, Sybille Nitsche, Antje Taffelt: Das wunderbare Jahr der Anarchie. Von der Kraft des zivilen Ungehorsams 1980/90, Ch. Links Verlag, Berlin 2004, S. 30.

(7): Links, Nitsche, Taffelt, a.a.O., S. 33.

(8): Bernd Hahlweg: Der Tag der Angst. In: Links, Nitsche, Taffelt, a.a.O., S. 35 f.

(9): Vgl. dazu den Eintrag zu Montagsdemonstrationen 1989 auf www.wikipedia.org

(10): Christoph Links: Einmischung als Bürgerpflicht. In: Links, Nitsche, Taffelt, a.a.O., S. 226-232.

(11): Vgl. Rüddenklau: Störenfried, S. 267 ff.

(12): Rüddenklau, S. 364.

(13): Rüddenklau, S. 296 f.

*
Quelle:
graswurzelrevolution, 38. Jahrgang, GWR 340, Sommer 2009, S. 11-12
Internet: www.graswurzel.net

veröffentlicht im Schattenblick zum 28. Juli 2009


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