Buchbesprechung Achim von Borries: Rebell wider den Krieg Bertrand Russell 1914 - 1918, Verlag Graswurzelrevolution, Nettersheim 2006, 95 S., 8,80 Euro, ISBN 978-3-939045-01-4
Antimilitarismus, Pazifismus und Kriegsdienstverweigerung sind so alt wie der Krieg selbst. Jeder Krieg brachte Menschen hervor, die diesem Wahnsinn die Stirn boten, ob mit Worten oder Taten. Einer von ihnen war der englische Philosoph Bertrand Russell (1872 - 1970), der, fernab der Politik, vor allem mit seinem dreibändigen Werk zur mathematischen Grundlagenforschung, der Principia Mathematica, Berühmtheit erlangte. Im Bereich seines friedenspolitischen Engagements sind sein Einsatz gegen atomare Vernichtungswaffen, z.B. das Einstein-Russell-Manifest, aber auch das von ihm und Jean-Paul Sartre maßgeblich initiierten Vietnam-Tribunal nach wie vor von großer Bedeutung.
Das Buch dokumentiert und kommentiert die libertäre Tradition vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die jüngste Vergangenheit. Sowohl die theoretischen Grundpositionen der AnarchistInnen wie ihr bedeutender Anteil an der Sozialistischen Bewegung, an der Russischen Revolution und am Spanischen Bürgerkrieg werden aufgezeigt. Porträts der wichtigsten VertreterInnen des Anarchismus runden diese umfassende Textsammlung ab, die differenziert die komplexe Entwicklungsgeschichte des Anarchismus nachzeichnet und die meist unterschlagenen konstruktiven Tendenzen deutlich macht. Der Band enthält Beiträge von W. Godwin, M. Bakunin, P. J. Proudhon, P. Kropotkin, G. Landauer, R. Rocker, A. Berkman, E. Malatesta, Voline, V. Serge, E. Goldman, A. Souchy, G. Leval, G. Orwell, H. Read, P. Goodman.
Die Kropotkinschen Memoiren sind zweibändig 2002 beim UNRAST-Verlag in Münster neu erschienen (1). Teilweise aus dem Englischen neu übersetzt, werden sie von Heiner Becker und Nicolas Walter kundig eingeleitet. Sie sind mit erläuternden Anmerkungen und einem Personenregister versehen. All das ist uneingeschränkt zu loben (beckmesserisch wenige, immer schier unvermeidliche Druckfehler und Übersetzungsholprigkeiten herauszuklauben, kann ich mir und den hoffentlich vielen geneigten neuen Leserinnen und Lesern ersparen). Die Einleitung weist darauf hin, dass es eine historisch kritische Ausgabe der Ende des 19. Jahrhunderts ursprünglich englisch publizierten Memoiren nach wie vor nicht gibt. Die Herausgeber machen außerdem auf manche Auslassungen, Retouchen und Widersprüche von Kropotkins Werk und der schon im 57. Lebensjahr abgeschlossenen Memoiren nüchtern und behutsam aufmerksam.
Kurzgeschichte des DadA-Projektes
Das 1986 von dem ehemaligen Bibliothekar und Informatiker Ralf G. Hoerig und dem Kommunikationswissenschaftler und Verleger Jochen Schmück initiierte DadA-Projekt existiert als Forschungs- und Dokumentationsvorhaben nun schon fast ein Vierteljahrhundert. Der Projektname DadA leitet sich ab von Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus. Das Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kommunikation und Kooperation in der deutschsprachigen Anarchie- und Anarchismusforschung zu fördern mit der Dokumentation deutschsprachiger anarchistischer Literatur und Presse, wissenschaftlichen Grundlagentexten wie dem renommierten Lexikon der Anarchie, http://dadaweb.de/wiki/Lexikon_der_... den (A)-Seiten (einem Projektverzeichnis), Buchempfehlungen und vielen anderen Angeboten mehr.
Seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist, vor allem ausgehend von Gruppen und Organisationen aus dem anglo-amerikanischen Raum, auch in anderen Industrienationen eine neue Jugendszene entstanden, die eine Kultur der veganen Lebensweise und damit verbundener direkter Aktionen für Tierrechte praktiziert - das, was heute Tierrechtsbewegung genannt wird. Ihre Inhalte und Aktionskampagnen waren oft Thema kontroverser Diskussionen, trotzdem haben einzelne Kampagnen dieser Bewegung zum Teil breite Kreise beeinflusst und waren örtlich erfolgreich (zum Beispiel Kampagnen gegen Pelze, gegen die Hetzjagd in England usw.). Darüber hinaus ist eine undogmatisch praktizierte vegetarische und/oder vegane Essenskultur mittlerweile zu einem festen Bestandteil vieler subkultureller Jugendszenen, mancher autonomer Gruppen oder auch etwa im Milieu der Graswurzelrevolution und bei Treffen und Aktionscamps gewaltfreier Aktionsgruppen geworden. Daneben gibt es bis heute vegetarische Gruppen und Organisationen bis weit in bürgerliche Milieus hinein, die zum Teil auf einen viel längeren Zeitraum ihrer Existenz zurückblicken können.
Die Bundeswehr will sogenannte Social-Media-Internetdienste wie Facebook oder Twitter stärker als bisher für ihre Propaganda nutzen. Jüngster Ausdruck dieser Entwicklung ist ein mehrtägiger Kongress, der von der "Akademie für Information und Kommunikation" der deutschen Streitkräfte in Strausberg bei Berlin veranstaltet wird. Chefredakteure verschiedener privater und öffentlich-rechtlicher Medien werden dabei Auskunft über das Verhalten von Internetnutzern geben und den anwesenden Militärs entsprechende Einflussmöglichkeiten aufzeigen
Was in Athen am 5. Mai 2010 passiert ist, ist ein Einschnitt, ein Schritt zu weit, über den jede/r von uns AnarchistInnen nachdenken sollte, gerade weil dieser Schritt im Zusammenhang mit der anarchistischen Bewegung gegen die Repressionsgewalt von Staat und Polizei eine Bedeutung für die gesamte globalisierungskritische Bewegung hat.
Die Gewaltdiskussion, die nun in Griechenland aufbricht, ist überfällig, weil dort nicht nur die Brutalisierung der Herrschaft, sondern auch - in einer unbewussten Identifikation mit dem Aggressor - die Brutalisierung der sozialen Kampfformen weit fortgeschritten ist.
Nach dem Verlust seines Rückhaltes in maßgeblichen Teilen des Berliner Establishments hat Bundespräsident Horst Köhler am gestrigen Montag seinen Rücktritt erklärt. "Kamerad Köhler: Bitte wegtreten!" hatte eine der einflussreichsten deutschen Zeitungen bereits vor Tagen im Kommandoton getitelt. Der Präsident habe bei seinem Afghanistan-Besuch "dies und das" über den Krieg am Hindukusch "dahergefloskelt", kritisierte das Blatt Köhlers als mangelhaft empfundene Unterstützung für die Bundeswehr.
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