Vor der Konstituierung des Kunduz-Untersuchungsausschusses a mehren sich Hinweise auf eine unmittelbare Einbeziehung des Kanzleramts in den Vorlauf vor dem Bombardement am 4. September. Laut Berichten war die Regierungszentrale in die Entscheidung involviert, künftig auch Liquidierungsaktionen zu unternehmen. Weil Agenten der deutschen Auslandsspionage (BND) in die Vorarbeit für Attacken einbezogen gewesen seien, seien auch die Geheimdienstkoordinatoren in Berlin informiert worden. Dies war der Arbeitsbereich des heutigen Innenministers Thomas de Maizière. Experten berichten, gezielte Tötungen ähnlich dem Luftschlag vom 4. September seien ein wesentlicher Bestandteil der Kriegführung im Irak von 2006 bis 2008 gewesen. Diese Kriegsphase gilt als Vorbild für das aktuelle Vorgehen in Afghanistan. Damals war von außergerichtlichen Hinrichtungen die Rede. Juristen mahnen, den Krieg in Afghanistan nun endlich auch rechtsverbindlich als "Krieg" zu deklarieren; andernfalls müssten Liquidierungsaktionen wie etwa das Bombardement von Kunduz als Verbrechen abgeurteilt werden, womöglich als Mord.
Die erzwungene Verschmelzung tribalistischer Funktionalität mit dem Exportprodukt Staat hat versagt. Europäische Machtorganisationen haben Teile der Welt unregierbar gemacht
Berichte von einem Manöver in Bayern lassen konkrete Planungen der Bundeswehr für Kampfeinsätze im Inland erkennen. Gegenstand der Meldungen ist eine Militärübung in der Nähe des bayerischen Ortes Schwarzenbach am Wald, der ein bürgerkriegsähnliches Szenario zugrunde lag.
„In der heutigen Welt wird fast jeder Gegenstand unter ökonomischem Blickwinkel betrachtet, es sei denn, er kann dagegen verteidigt werden. Auch der Mensch wird mit diesem Blick untersucht. Dieses Paradigma bleibt nicht ohne Folgen.“ (Susanne Elsen) Ist dieser Blick auf Menschen zulässig und gerechtfertigt, oder muss es nicht darum gehen, den Menschen vor der Ökonomisierung zu schützen? Der Autor diskutiert Konzepte, die sich mit dieser Frage auseinander setzen. Sie umreissen auch immer, auf welche Art und Weise wir wirtschaften sollten. Es gibt eine Vielzahl von Modellen, die menschliches Verhalten unter einem bestimmten Blickwinkel erklärbar machen. Die Denkfiguren homo oeconomicus und homo cooperativus beleuchten das Spannungsfeld zwischen Egoismus und Altruismus, zwischen Individualität und Sozialität und beziehen dabei entgegengesetzte Positionen. Zwischen diesen beiden Ansätzen positioniert sich der homo oeconomicus-cooperativus, dessen andere Qualität deshalb nochmals genauer betrachtet wird. Die gestellte Frage, wohin wir gehen wollen, hängt eng mit der gewünschten gesellschaftliche Entwicklung zusammen. Die Folgen einer auf Eigennutz und Konkurrenz basierenden Zielsetzung zeigen sich im Modell des homo oeconomicus. Um diese zu vermeiden, ist es unumgänglich, dass die Menschheit zu mehr Solidarität und verantwortlicher Kooperation findet. Das Leitbild hierzu ist der homo cooperativus.
Lust, sich mit ihm auseinanderzusetzen, macht: "Ich revoltiere, also sind wir"
Brigitte Sändig (Hg.): "Ich revoltiere, also sind wir." Nach dem Mauerfall: Diskussion um Albert Camus’ "Der Mensch in der Revolte",
Verlag Graswurzelrevolution, Nettersheim 2009, 191 S., 14,90 Euro, ISBN 978-3-939045-12-0
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