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"Barcelona ist immer noch besser als Wilmersdorf"
Endlich! Gustav Landauers Ausgewählte Schriften
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Gustav Landauer; Internationalismus. Ausgewählte Schriften, Band 1, Hg. Siegbert Wolf, mit Illustrationen von Uwe Rausch.
Verlag Edition AV, Lich 2008, 334 Seiten, 18 Euro

Gustav Landauer; Anarchismus. Ausgewählte Schriften, Band 2, Hg. Siegbert Wolf, mit Illustrationen von Uwe Rausch.
Verlag Edition AV, Lich 2009. 395 Seiten, 18 Euro

Gustav Landauer (1870-1919) gehört zu jenen Anarchisten in Deutschland, die nicht nur ein umfangreiches und vielfältiges Werk (neben Aufsätzen und Essays zum Anarchismus auch literarische und wissenschaftliche Werke) hinterlassen haben, sondern auch für eine libertäre Praxis zahlreiche Projekte anstießen, woraufhin er letztlich im Dienste der Münchener Räterepublik sein Leben lassen musste.

Nach verschiedenen Reprints seit den 1970er Jahren gelingt es anscheinend jetzt endlich, die Werke Landauers aufgearbeitet vorzulegen. Der Historiker und Publizist Siegbert Wolf, ein ausgewiesener Kenner nicht nur des Landauerschen Werkes, sondern auch des jüdisch-anarchistischen Metiers, hat sich dazu entschlossen, das Werk thematisch aufzuarbeiten.

Der Band 1, der letztes Jahr erschien, enthält die Schriften Landauers zu internationalen Themen. Es überrascht doch beträchtlich, wie Landauer in internetlosen Zeiten umfangreiche Informationen nicht nur über die Entwicklungen in europäischen Ländern hatte, sondern auch etwa zu Japan, Brasilien, den USA oder Marokko und Palästina.

In Erinnerung an den Justizmord von Chicago im November 1897 konstatiert Landauer gleich zu Beginn seines Aufsatzes: "Die Erdkugel ist klein geworden..."

Der Band 2 trägt den Titel "Anarchismus" und versammelt in erster Linie Aufsätze, Nachrufe und Briefe, die Landauer für die unterschiedlichen sozialistischen und anarchistischen Zeitungen seiner Zeit verfasste.

Siegbert Wolf, der kenntnisreich viele Zusatzinformationen in den Anmerkungen vermittelt, hat sich viel Mühe gemacht, die verschiedenen Archive nach dem Landauerschen Nachlass zu durchforsten.

Überwiegend dokumentieren diese beiden Bände den Diskussionsstand jener Zeit und übermitteln eine gute historische Einsicht in die vielfältige anarchistische Bewegung um die Jahrhundertwende.

Beide Bände sind sorgfältig mit Einleitungen, Namensregister, Zeittafel, Nachweisen usw. versehen. Die abstrakten Illustrationen von Uwe Rausch in diversen Grautönen sind Geschmackssache, aber ich finde es lobenswert, dass der Verlag sich neben diesen umfangreichen Textbänden auch darauf eingelassen hat, der Kunst einen Raum im Werke Landauers bei zu stellen.

Der Editionsplan sieht bis 2013 noch weitere vier Bände vor, plus einem umfangreichen Korrespondenz-Band.

Wer sich nicht wirklich von den "bärtigen Alten" gedanklich trennen will, weil letztlich jeder Baum auch Wurzeln braucht, um zu überleben, ist mit dieser Werkreihe bestens bedient. Es wurde Zeit.

Knobi

aus Graswurzelrevolution Nr. 342 oktober 2009




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